Es gibt kein schlechtes Wetter!


43°25‘ N 003°48‘ W

Warmer Regen, so dass man gar nicht ins Trockene fliehen muss. Man wird sogar gern nass… Sommerregen im August in der Marina de Santander. Nach einigen Stunden Bootsputz (innen) und intensiver Wetterbeobachtung will die Crew dann doch in die Stadt. Regenschirm? Ich höre mich sagen: „Brauchen wir nicht, wir sind Segler und die richtige Kleidung.“ Pah! Nach fundierter Recherche im Internet hatten wir einen Weg von der Marina zur Bushaltestelle gefunden, zwar an der Startbahn des nahegelegenen Flughafens entlang (wer weiß, wie viel Kerosin man da einatmen musste…), aber unsere grob geschätzten 20 Minuten bestätigten sich auf den Punkt. Der Weg zum Etappenziel: ein Hürdenlauf von Pfütze zu Pfütze. Ein weißer Trennstreifen zwischen Fuß- und Fahrradweg stellte sich als die größte Erhebung heraus, also balancierten wir da entlang. Ich träumte von Sonne, Wärme, Tapas und einem guten Glas Rotwein, während ich meinem Freund hinterher hastete. Ich hatte das Potenzial eines ordentlichen Regens in Nordspanien gründlich unterschätzt.

Typische Seglerdenke

Trotz guter Kleidung (der Segler kennt ja bekanntlich kein schlechtes Wetter, nur falsche Kleidung) ernüchterte das Ergebnis: Die Jeans glänzten, die Jacken tropften, die neue top-elegante Seglerhandtasche war wider Erwarten undicht und der komplette Inhalt feucht und durchweicht, in unseren Schuhen stand das Wasser – aus dem sommerlichen war ein kalter, fast typisch-deutscher Tag geworden. Und es war Sonntag! Ich hatte mich peinlicherweise um über eine Stunde bei der Abfahrtszeit geirrt. Wir mussten also noch eine gefühlte Ewigkeit auf unseren Bus warten. Aber uns fiel eine kleine Bar auf – offen! Der Wirt begrüßte uns mit einem freundlichen „Hola!“, obwohl er gerade verdächtig aufräumte und mit Sicherheit geschlossen hätte, wenn wir nicht aufgekreuzt wären.

Randblicke

Er wurde belohnt – wir genossen Tortilla mit Chorizo, Tortilla mit Thunfischcreme und Omelette bedeckt, Oliven-Sardellen-Spieße, eingelegte Sardellen mit frischem Knoblauch, Tomaten in Öl und Knoblauch und die Krönung: Polpo (Tintenfisch) fein bestreut mit Paprika auf Kartoffeln, warm – dazu Vinho blanco und rosado, danach ein Schnaps, scharf mit schöner Honignote auf das Wohl des Wirts. Danach kam der Bus nach Santander, ein kurzer Ausflug, um Brot zu kaufen, auf eine Stunde, kleiner Ausblick. Manchmal sind die Randblicke wesentlich schöner und interessanter, ein Busfahrer, der einen auf der Rückfahrt wiedererkennt und zum Abschied winkt, ein Wirt, der uns herzlich mit Küssen verabschiedet…